Wax in the City Blog

16.06.2010

Kleine Geschichte der Schamhaarentfernung

Wer sich die Scham- und Körperhaare entfernt, befindet sich nicht nur in bester Gesellschaft – er reiht sich sogar nahtlos in die Menschheitsgeschichte ein. 

Bereits zwischen 4.000 und 3.000 v. Chr. benutzte man verschiedene Mittel zur Körperhaarentfernung: Neben Harzen und Pflanzenextrakten kamen auch Eselsfett, Fledermausblut und Pech zum Einsatz, ebenso geschliffene Steine oder Muscheln zum Ausreißen der Haare.

Schönheitsideal Nummer eins war der haarlose Körper im alten Ägypten: Frauen entfernten Augenbrauen und Körperbehaarung, Grabmalereien zeigen Darstellungen von Sklavinnen mit haarloser Scham. Verbreitete Mittel zur Haarentfernung waren Bronzemesser oder, ganz modern, Bienenwachs. Einen Hygiene-Effekt hatte das Ganze übrigens auch: Ohne Körperbehaarung konnten sich Parasiten nicht so leicht festsetzen. 

Dass Nacktheit im antiken Griechenland ebenfalls gefragt war, zeigen u.a. Vasenbemalungen mit komplett nackten Menschen. Aufzeichnungen aus der Zeit um 600 v. Chr. besagen, dass Huren und Freudenmädchen im Intimbereich nackt waren. Verwendet wurde u.a. Orpiment, ein arsenhaltiges Produkt, das trotz möglicher Nebenwirkungen offenbar seinen Zweck erfüllte.

Wohl zu kaum einer anderen Zeit wurde Schönheit so groß geschrieben wie im alten Rom. An Tricks und Kniffen für eine streichelzarte Haut fehlte es deshalb nicht: Als zentrale Anlaufstelle für eine ausgiebige Körperpflege fungierten die berühmten römischen Badehäuser. Dort mussten Bein- und Achselhaare ebenso dran glauben wie – zumindest bei Frauen häufig – die Augenbrauen, die per Pinzette gezupft wurden. Teilweise wurde auch die Schambehaarung epiliert, worauf besonders Prostituierte spezialisiert gewesen sein sollen. Schon die alten Römer mochten beim Sex eine haarfreie Vagina und waren sogar bereit, den glatten Ladys mehr zu zahlen als ihren behaarten Kolleginnen. Neben den bereits genannten Enthaarungsmethoden bediente man sich teilweise auch schmerzhafter und gesundheitsschädigender Maßnahmen, etwa groben Handschuhen, sandpapierähnlichen Scheiben, Kalklauge oder Arsen.

 

Ein Zeitsprung

 

Nach einer langen Zeit des Tiefschlafs fand die Badekultur erst im Mittelalter ihren Weg zurück nach Europa. Die Kreuzritter hatten in islamischen Ländern die Badehäuser wiederentdeckt und brachten ihr Wissen mit in die Heimat. Im 12./13. Jahrhundert wurde es auch bei uns durchaus üblich, dass Frauen und Männer gemeinsam badeten, natürlich sehr zum Ärger der Kirche. Um sich rundum hüllenlos zu präsentieren, entfernten die Damen der höheren Gesellschaft ihre Schamhaare – und die einfachen Frauen taten es ihnen gleich. Allerdings waren die angewandten Methoden oft problematisch und hinterließen gelegentlich böse Narben, etwa Tinkturen aus Sirup mit Terpentinzusatz.

Die Zeit des öffentlichen Bade- und Pflegevergnügens hatte jedoch bald wieder ein Ende: Mit der Syphilis-Verbreitung im 15./16. Jahrhundert wurden zahlreiche Bäder geschlossen. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), die Moralvorstellungen der Zeit und die weit verbreitete Ansicht, baden sei gesundheitsschädlich, taten ein Übriges.

Doch allzu lange ließ sich das Thema Haarentfernung nicht unterdrücken. Schon Anfang des 18. Jahrhunderts war es erneut en vogue, Schamhaare zu beseitigen, beispielsweise am Hof Ludwigs des XV. in Frankreich. Gut 150 Jahre später beweisen frühe Aktfotografien, dass ein nackter Unterkörper auch in anderen Ländern Europas seine Anhänger(innen) fand. 

Die Deutschen sind in der neuzeitlichen Intimhaar-Beseitigung eher Spätzünder: Erst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts kam die Schamhaarentfernung langsam auch bei uns in Mode. Während Frauen, insbesondere im freizügigen Berlin, aus ästhetischen Gründen ihre Schamhaare entfernten, hatten die Männer praktische Gründe: Als Soldaten im 1. Weltkrieg wollten sie sich vor Läusen und anderen Unannehmlichkeiten, die das harte Leben im Feld mit sich brachte, schützen. In Anlehnung an die Frontsoldaten nannte man schamhaarfreie Frauen, sofern man von ihrem intimen Geheimnis wusste, „feldgraue Weibersleut“ – was immer genau das heißen mag.

Wie sich der Trend zur Körperhaarentfernung schließlich durchsetzte und heute, im 21. Jahrhundert, zum Alltag gehört, ist eine andere Geschichte... Fortsetzung folgt.

Infos/Quelle: http://kefk.org/kulturgeschichte/geschichte_der_schamhaarentfernung

 

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