Wax in the City Blog

08.10.2010

Vagina-OPs: Umstrittener Trend aus der plastischen Chirurgie

 

Tolles Körpergefühl oder Genitalverstümmelung? Sagen wir mal so: Die Vorstellung, sich an der Scheide herumschnipseln zu lassen, ist wenig verlockend. Doch was früher dem recht übersichtlichen Kreis US-amerikanischer Porno-Babes vorbehalten war, ist längst im Alltag angekommen.

Immer mehr normale Frauen verspüren hierzulande den Wunsch, ihre Vagina in Form zu bringen. Dahinter stecken verschiedene Gründe. Zunächst die medizinischen: Eine Frau, die Schmerzen beim Sport – etwa Radfahren, Motorradfahren, Reiten –, beim Tragen von Hosen oder sogar beim Sex hat, will natürlich etwas dagegen tun. Grund für ihre Unannehmlichkeiten können besonders große Schamlippen sein – und die lassen sich operativ verkleinern. Auch der Wunsch nach einer Vagina-Verengung kann durchaus medizinische Gründe haben. Der dauerpräsente Promi-Chirurg Prof. Werner Mang gegenüber der BILD: „Dieser Wunsch wird meist von Frauen geäußert, die nach mehreren Geburten oder Zwillingsgeburten einen erweiterten Vaginalkanal haben. Bei allgemeiner Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur kann eine Straffungsoperation auch medizinisch notwendig sein.“ Alles klar, versteht man.

Der aktuelle Trend zur Intim-OP kommt allerdings aus einer anderen Richtung: Bei vielen Frauen steigt das Bedürfnis, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. Dazu gehört neben dem richtigen Busen, schlanken Oberschenkeln oder einer gerade Nase offenbar auch eine perfekt geformte Scheide. Wie die auszusehen hat? Ebenmäßig, glatt, jung und straff – und möglichst ohne Überlappungen der Schamlippen. Dazu Prof. Mang: „Diesen Eingriff führen wir oft durch. Seit es den Modetrend gibt, sich die Schamhaare zu entfernen, kommen die vergrößerten inneren Schamlippen deutlicher zum Vorschein. Das stört viele Frauen. Bei der OP werden die inneren Schamlippen so verkleinert, dass sie bündig mit den äußeren Schamlippen sind und die gesamte Schamregion wieder jung aussieht.“ Und selbst der Venushügel muss immer öfter dran glauben: Aufgrund von Wechseljahren, Gewichtszunahme oder genetischer Veranlagung kann er so groß werden, dass er sich unter anliegender Kleidung abzeichnet. Schönheitschirurgische Lösung: Fettabsaugung, was sonst.

Bleibt die Frage, warum plötzlich alle Welt über das Aussehen der Vagina nachdenkt. Einfache Antwort: Die Medien sind Schuld, wie immer. Zeitschriften, Fernsehen, Internet und die allgegenwärtige Porno- und Sex-Industrie vermitteln ein auf Hochglanz getrimmtes Bild perfekter Genitalien. Der Sex soll besser, der Körper noch makelloser sein. Doch Vorsicht: Wer sich dem neuen Schönheitsideal hingeben will, sollte das Risiko kennen. Bei der Vaginalstraffung gibt es beispielsweise bislang keine Langzeitergebnisse, und bei einer Schamlippenverkleinerung können Narben entstehen, die die Empfindsamkeit beeinträchtigen. Die Leipziger Psychologin Ada Borkenhagen und der Berliner Gynäkologe Professor Heribert Kentenich warnen sogar davor, dass die OP-Risiken „in der Regel bagatellisiert“ würden und die Schamlippenverkleinerung viel zu häufig als „kleiner Eingriff“ dargestellt werde, obwohl Komplikationen „schwerwiegende Funktions- und Empfindungseinschränkungen zur Folge haben“ können.**

Wie man das alles einschätzen soll? Die Antwort ist schwierig. Ich persönlich finde, dass man mit Klamotten, Schminke, Sport, halbwegs gesunder Ernährung und Körperpflege ziemlich viel machen kann, um sich attraktiv zu fühlen. Ein bisschen Großzügigkeit mit den eigenen Mängeln hilft ebenfalls. Aber wer weiß schon, wie schrecklich eine Frau ihre Schamlippen finden kann und wie sehr der Gedanke daran ihr ganzes Leben beeinträchtigt? Borkenhagen und Kentenich, unsere bereits erwähnten Experten, äußern dennoch Bedenken: Es lägen „keine wissenschaftlichen Daten vor, die nachweisen, dass diese Eingriffe zu anhaltenden psychischen Verbesserungen führen.“** Deshalb sollte sich jede Frau gut überlegen, warum sie eine Intim-OP machen lassen will – und ihre Motive im Gespräch mit dem Arzt genauestens klären: „Ratsam ist es, bei diesem Aufklärungsgespräch auch einen Psychologen hinzuziehen. Denn hinter dem Wunsch könnte auch ein psychisches Problem stecken“, empfiehlt Professor Kreienberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.* Ein kluger Rat, Herr Professor.

Neben den bereits genannten Methoden gibt es noch allerlei weitere umstrittene Eingriffe, darunter die G-Punkt-Unterspritzung, die Wiederherstellung des Jungfernhäutchens oder die Reduktion der Klitoris-Haut. Und auf der Wunschliste so manches Mannes stehen Penis-Verdickung und Verlängerung ganz oben. Tipp für unzufriedene Männer: Bevor Sie tatsächlich über die risikoreiche OP nachdenken, lieber erstmal Brazilian Waxing probieren. Wenn alle Schamhaare weg sind, wirkt das gute Stück um Einiges imposanter, die Haut fühlt sich fantastisch an und der Sex macht auch mehr Spaß. Das betrifft dann übrigens wieder beide Geschlechter.

*Zitat aus: Bild am Sonntag,

http://www.bild.de/BILD/ratgeber/gesund-fit/bams/2009/09/27/genitalchirurgie/intim-operationen-versprechen-mehr-lust-im-bett-besseren-sex.html

**Zitat aus: Die Welt,

http://www.welt.de/gesundheit/article3103787/Riskante-Schoenheits-OP-an-der-Vagina.html

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  • 1 Comment(s)
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Silke
01.11.2010
22:06
Verstehe die Aufregung nicht

Eine Freundin von mir hat sich auch die innere Schamlippe verkleinert, weil die extrem raushing. Sieht jetzt viel besser aus und fühlt sich viel besser beim Sex, in der Saune usw. Ich finde, wenn man ein großes Problem damit hat, warum nicht. Muss jeder selbst für sich entscheiden. Silke

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