Barocke Verführung
Bounjour Mesdames et Monsieurs,
Lust auf einen visuellen Seitensprung? Mit einer großen Foto-Session feiert Wax in the City die Verlockungen der Barockzeit: Kokette Mätressen, edle Prinzessinnen und kapriziöse Hofdamen zeigen sich von ihrer verführerischsten Seite. Wie viel Spaß das opulente Leben bei Hofe (bzw. bei Wax the City) macht, sehen Sie auf unserer Webpage...
Schönheitsideale und Beauty-Extreme
BAROCK (ca. 17. bis beginnendes 18. Jahrhundert)
Für die fettfreien Models von heute hätte der große Rubens (1577-1640) nicht mal seine Farbpalette in die Hand genommen: Im Barock mochte man es üppig. Dralle Schenkel, wogende Dekolletes und Hintern, die den Namen verdienen, brachten die Männerwelt zum Träumen. Doch trotz der lustvollen Opulenz waren Kleider- und Haartracht – zumindest außerhalb der Schlafgemächer – wechselnden modischen Regeln unterworfen.
Die It-Girls jener Zeit kamen aus Frankreich. Ihre reizvolle Mode eroberte um 1670, mit Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715), die Schlösser und Ballsäle Europas: Um das wohlgenährte Fleisch in Form zu bringen, trug die Dame von Stand ein hübsches Dekolleté, gut drapiert mit Mieder oder Korsett aus flexiblem Fischbein. Der vorne geteilte Oberrock endete in einer Schleppe, oft aus edlem Gold- und Silberbrokat. Auch die prächtige Figur der Herren sollte optisch gestreckt werden – mit feinen Strümpfen und hohen Absatzschuhen. Eine Wissenschaft für sich war der Kopfschmuck: Während die Männer langlockige Allonge-Perücken mit Mittelscheitel bevorzugten, liebten die Damen der Gesellschaft hoch getürmte Drahthauben auf dem Kopf, die so genannte Fontange.
Im ROKOKO (ca. 1720-1780, auch „Spätbarock“) ging es noch kapriziöser zu, sollte doch "das Leben zu einem ununterbrochenen Genuss“ werden.
Und ja: Es ging heiß her. Erotische Raffinesse und virtuose Koketterie prägten den eleganten Umgang: „In der ‚guten Gesellschaft’ titulieren sich die Ehepaare auch zu Hause als ‚Monsieur’ und ‚Madame’ ... Eine Frau, die keinen Liebhaber hat, gilt nicht für tugendhaft, sondern für reizlos, und ein Ehemann, der sich keine Mätresse hält, für impotent oder ruiniert.“*
Eine mädchenhaft schmale Taille wurde zum Schönheitsideal des weiblichen Körpers – mühsam erarbeitet in mehrstündigen Sitzungen mit atemraubender Mieder-Schnürung über dem breiten Reifrock. Zugunsten der Proportion wurde geschummelt, was das Zeug hält: Die Reifröcke nahmen grandiose Ausmaße an, so dass ihre Trägerinnen nur seitwärts durch Türen schreiten konnten.
An extravaganten Accessoires mangelte es nicht, Hauptsache keine Langeweile: Man trug auffällige Schönheitsflecken aus Leder, Samt oder Seide, setzte kunstvolle Fächer ein und schnupperte am Riechsalz, um den durchaus eingeplanten Ohnmachtsanfällen ein feines Mittelchen entgegenzusetzen. Aufwändige Schminktechniken vollendeten die bühnenreife Ausstattung, und die überall angebrachten Spiegel boten dem schönen Schein freie Entfaltung: Das Puder hatte Hochkonjunktur und kam bei Frauen wie Männern großzügig zum Einsatz. Haare und Gesicht wurden maskenhaft bestäubt, Lippen und Wangen mit Pflanzenstoffen gerötet – im nachvollziebaren Bestreben, zeitlebens jung auszusehen.
Nach heutigen Hygienemaßstäben hatte die Puder- und Schminkleidenschaft allerdings einen unappetitlichen Beigeschmack: Weil man Wasser für gesundheitsschädlich hielt und möglichst selten badete, soll selbst die beste Gesellschaft – den kostbaren Duftessenzen zum Trotz – enorm gestunken haben. Insgesamt also gut, dass unsere kleine Zeitreise nur einen Tag gedauert hat ...
Viel Freude beim Anblick unserer barocken Schönheiten wünscht
Madame Nina
Quellen
*Egon Fridell, Kulturgeschichte der Neuzeit
www.teachsam.de
Brockhaus Enzyklopädie
www.lehrer.uni-karlsruhe.de
fashionhistory.ch
www.schoenheits-experten.de
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