Sucht nach Schönheit. Diesmal: Lippenstift & Labello – und warum Schönheitswahn ein Fall für den Psychologen ist
Liebe Wax in the City-Fans,
ja, ich bin ein Lippenstift-Junkie. Es gibt Schlimmeres, mögen manche von Ihnen denken, und Sie haben Recht: Die paar irritierten Blicke, wenn ich im Restaurant meine Lippenstift nachziehe, übersehe ich geflissentlich. Auch die regelmäßige Beauty-Kritik von Freundinnen („Du hast Lippenstift auf den Zähnen“, „auf der Nase, „im Mundwinkel“) stecke ich problemlos weg.
Labello-Sucht
Weitaus schlimmer als mein Lippenstift-Tick war meine Labello-Sucht. Ich war 16 und benutzte ihn etwa alle 20 Minuten, sogar während des Unterrichts. Ob es sich wirklich um eine Sucht handelte? Die Internet-Gemeinde ist geteilter Meinung: Einige Experten behaupten, das im Labello enthaltende Glycerin trockne die Lippen aus und führe zum Teufelskreislauf, dem man nur mit radikalem Entzug entkomme. Andere Quellen besagen, dass das Austrocknen der Lippen durch regelmäßige Labello-Anwendung nicht bewiesen sei. Stattdessen führe das weiche Gefühl, dass der Pflegestift hervorruft, zum ständigen Gebrauch – ohne dass die Lippen geschädigt werden.
Schönheitssucht: Ein Fall für den Psychologen
Fest steht: Meine Lippenstift- und Labello-Exzesse sind vergleichsweise harmlos. Erst wenn das eigene Aussehen als hässlich wahrgenommen wird, obwohl es völlig normal ist, wird es dramatisch. In der Medizin gibt es dafür sogar einen Begriff: Die Dysmorphophobie, auch „Hässlichkeitswahn“. Eine Wahrnehmungsstörung, die dazu führt, dass die Betroffenen ihren Körper, ihr Gesicht und/oder einzelne Körperteile für hässlich oder entstellt halten: Stundenlange zwanghafte Gedanken, ritualisierte Verhaltensweisen wie das ununterbrochene Überprüfen des Aussehens im Spiegel, der ständige Vergleich mit dem Aussehen anderer Personen sowie endlose Make-up-Sessions gehören zum Krankheitsbild. Häufig vermeiden diese Menschen sogar soziale Situationen wie Partys oder Einkaufszentren – aus Angst vor negativer Bewertung durch andere.
Der Wunsch nach einem neuen Aussehen wird so übermächtig, dass viele Betroffene ihr Heil beim Schönheitschirurgen suchen. Das weiß auch Promi-Chirurg Prof. Werner Mang und warnt in der Bild-Zeitung: „Schönheitschirurgie kann zur Sucht führen, wenn bereits mit 20 begonnen wird, Botox zu spritzen. ... Leider wird in vielen Fernsehsendungen dem Zuschauer vorgegaukelt, dass die Schönheitschirurgie eine Beauty-Medizin ist, die man zwischen Tür und Angel durchführen lassen kann, ähnlich einem Friseurbesuch. ... Es wäre wünschenswert, wenn im Fernsehen eher die OP-Techniken, Möglichkeiten und Gefahren dargestellt werden würden.“
Wenn Patienten so aussehen wollen wie Claudia Schiffer oder Brad Pitt, sei das Maß voll, findet der berühmte Beauty-Doc: „Die amerikanische Schule („Schönheitswahn“) ist nicht meine Schule. Denn Rippen herauszuschneiden, um eine engere Taille zu haben oder Knochen am Fuß zu verändern, um höhere Highheels anziehen zu können, ist genauso abstrus wie Gesäßimplantate bei Frauen und Wadenimplantate bei Männern. Auch Penisverlängerungen oder -verkürzungen sind medizinisch höchst zweifelhaft. In diesen Fällen ist der Besuch beim Psychologen angezeigt und nicht beim Schönheitschirurgen.“ Recht hat er. Danke, Herr Professor.
Ich jedenfalls bin beruhigt, mein kleiner Lippenstift-Tick ist halb so wild. Und was für Beauty-Marotten haben Sie entwickelt? Überall im Haus Pinzetten gegen unliebsame Härchen? Oder jeden Tag 150 Bürstenstriche für seidiges Kopfhaar? Bin gespannt, was Ihnen dazu so alles einfällt...
Liebe Grüße,
Nina
Quellen:
www.schoenheit-und-medizin.de/news/verschiedenes/sucht-nach-schoenheit.html
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